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Es war einmal eine Gräfin von hoher Herkunft - fern der Heimat. Niemand erkannte ihr Talent. Sie war voller Sehnen, dass einer käme, sie zu erretten.
Immer wenn einer des Weges zog, lockte sie, aber da sie scheu und bescheiden war, und außerdem im Versteck, konnte sie nicht offen die Hinweise geben. Also versteckte sie Dinge unter kleinen, unscheinbaren Steinen und Brücken. Sie lag auf der Lauer und wartete und verfolgte mit sehnsuchtsvollem Blick, wenn einer der Wanderer in der Nähe der Hinweise auftauchte. Aber sie würdigten der Steine keines Blickes.
Also mußte sie, um errettet zu werden, sich etwas neues ausdenken. Um die Hinweise interessant zu machen, legte sie bunte Hinweise und große Schilder. Doch auch da waren die Wanderer zwar von den bunten Farben oder der Größe angezogen, aber grade dadurch sahen sie die grauen Steine nicht. Wieso sollten sie also etwas so unscheinbares aufheben, um darunter nach etwas zu suchen? Die bunten Dinge gaben ihnen ja, was ihr Herz begehrte – zumindest für eine Weile. Was tun? Ihr Sehnen wurde größer.
Sie dachte über eine neue List nach. Der Wanderer müßten länger verweilen! Also – ihn verwunden. Dann würde er liegenbleiben am Boden, dort würde er sehen, dass unter dem Stein etwas lag, es hervorziehen, es sehen und lesen und ..... sie erretten! Dankbar würde er sein, verwundet unverhofft so einen großen Schatz gefunden zu haben! Voll Freude machte sie sich ans Werk, voller Erwartung.
Endlich, sie kamen. Aber, oh Schreck - sie kämpften. Sie wehrten die Wunden ab, fielen an den falschen Stellen zu Boden. Einer rollte so, dass er die Steine verschob. Er sah, dass ein maroder Zettel darunter lag. Den Hinweis darauf? Warum sollte ihn dieses heilen können? Er brauchte was anderes, Verband, Hilfe – nicht noch größere Taten !
So war sie voller Trauer und Schmerz. Sie konnte ihre Größe nicht zeigen, und keiner vermochte sie zu sehen.
Traurig, mit ihren grauen Kleidern, saß sie auf der Brücke und weinte bitterlich. Aufgeben! Einfach aufhören! Nicht mehr suchen müssen, nicht mehr Ausschau halten!
Ein Bettler kam vorbei und hörte ihr Weinen. Er tröstete sie, wischte ihr Gesicht und sie lächelte dankbar. Etwas in ihr lehnte jedoch diesen zerrissenen Mann ab. Er war hungrig, war bedürftig - er brauchte irgend etwas, dass er verkaufen konnte. Er sah sich um – entdeckte die grauen, aber selten geformten Steine und beschloß, diese auf dem nächsten Markt zu verkaufen. Als er sie hochhob sah er den Zettel. Er war in der Lage zu erkennen, dass dieses etwas bedeutete – ein Hinweis auf etwas Höheres. Er fragte also die Frau. Da sie, direkt gefragt, ihre Herkunft preisgeben mußte, sagte sie ihm alles. Er erkannte seine Chance, zog sie von ihrem Platz weg und nahm sie mit. Sie weinte bitterlich. Erkannt, aber ohne Hoffnung ! Voll Wert, aber nur auf der Ebene, die sie nicht brauchte – Ware !
Er brachte sie zum Schloß und verlangte Eintritt. Man öffnete skeptisch diesem Kerl die Tür und sah, was er mitbrachte.
Freude darüber, dass sie wieder da war, ungläubig über die Art, hier anzukommen. Ablehnung und Freude gleich.
Der Bettler verlangte seinen Lohn für die Tat. Sie zögerten und waren sich nicht einig, ob sie sie um diesen Preis wieder aufnehmen können. Sie war verzweifelt! Das Schlimme – in der Dauer der Jahre hatte sie vergessen, was sie aufschrieb – welche Lösung es noch gäbe. Der Zettel war verrottet und gab nur noch den Hinweis auf sie – die anderen Hinweise hatte er nicht gefunden – die, die nötig gewesen wären, sie ganz zu erretten und glücklich zu machen! Was tun?
Ihrer Familie war sie es nicht wert, dem Bettler nur eine besondere Art des Wertes.
Sie lief weg – bitter weinend.
Lange lief sie durch den Wald. Keine Heimat. Die Heimat, in der sie groß wurde, dort war sie weg. Die Heimat der sie entstammte – nicht mehr zugänglich. Dem Bettler wollte sie nicht mehr begegnen. Ein langer Marsch stand ihr bevor!
Eine Lichtung kam, auf ihr lag ein Schlafender. Als sie näher kam, sah sie, dass er nicht schlief, sondern verletzt war. Sie war froh – ein Mensch, der nichts mit ihr zu tun hatte ! Sie verband die Wunden, fand Wasser, brachte es ihm und pflegte ihn. Es dauerte lange Zeit.
Als er die Augen aufschlug, sah er in ihre Augen und dankte ihr. Sie weinte vor Freude, dass es ihm besser ging. Sie lebten noch eine Zeit zusammen, bis es ihm soweit besser ging, dass er wieder nach seinem Pferd Ausschau halten konnte. Dies war in eine nahegelegene Herde eines Bauern zurückgekehrt.
Dort kehrten sie ein und lösten mit Arbeit das Pferd aus, das der Bauer die ganze Zeit mit durchgefüttert hatte.
Als es Zeit war, stieg der Jüngling auf und ritt davon. Alleine blieb sie zurück und dachte über sich nach. Es gefiel ihr dort, und so fragte sie den Bauer, ob sie mit Arbeit ein Stück Land haben könne. Er willigte ein und sie konnte soweit arbeiten, dass sie ein kleines Häuschen und einen Garten hatte. Sie wurde ruhiger, zufriedener.
Eines Tages hörte sie Geräusche, sah hoch und erblickte den Jüngling aus der Lichtung. Er hatte ein weißes Roß bei sich und freute sich, sie zu sehen: Keine Schönere habe er je erblickt, keine Reinere sei je erschienen. Erst auf dem Wege habe er gemerkt, wie sehr sie ihm fehle. Er habe nicht bei ihr sein können, da er seine Güter holen mußte um zu ihr zurückzukommen.
Sie freute sich, aber sie war glücklicher alleine.
Er war traurig und weinte - und ihre Wunden schlossen sich ! Endlich wurde sie geliebt – endlich erkannt in ihrer Größe!
Aber – sie brauchte es nicht mehr.
Er zog weiter, nahm sich in der Nähe ein Haus und errichtete einen Hof.
Sie sahen sich häufig und über die Jahre wurde ihre Beziehung innig. Sie jedoch war im ganzen Land bekannt für ihre Kräuter und Medizin. Die Leute kamen um ihren Rat zu erfragen und um sich heilen zu lassen.
Nun wußte sie, warum sie auf der Welt war – und wurde immer schöner.
Octavia Schmidt / 5.7.99
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