“Ihr kommt in den Zustand, den ihr Leben nennt, und verlaßt ihn wieder. Dazwischen durchlauft ihr eine Lebenszeit. Scheinbar zwischen Geburt und Tod hängend, fragt ihr euch nach der Natur eures Wesens. Ihr forscht in Eurer Erfahrung und studiert Tatsachen der Vergangenheit in der vagen Hoffnung, auf diese Art Aufschluß über die Natur eurer eigenen Wirklichkeit zu erlangen.
Euer Leben scheint mit eurem Bewußtsein synonym zu sein. Deshalb habt ihr den Eindruck, daß Euer Wissen über euch selbst allmählich wächst, so wie sich euer individuelles Bewußtsein von eurer Geburt an entwickelte. Ferner scheint es, daß euer Bewußtsein auf einen Tod zugeht, den euer indivuduelles Bewußtsein nicht überlebt. Ihr mögt mit Sehnsucht und einer fast hoffnungsvollen Nostalgie an die Religion einer Kindheit denken und euch an ein Glaubenssystem erinnern, das euch der Unsterblichkeit versicherte. Aber die meisten von Euch sehnen sich nach einer persönlichen Gewißheit und suchen nach einer inneren Sicherheit, daß Eure Individualität mit dem Tod nicht einfach verschwindet.
Jeder Mensch weiß, dass seine eigenen Errfahrungen wichtig sind, und daß darin eure - zwar verborgene - Bedeutung liegt, die euch alle mit einem größeren schöfperischen Plan verbindet. Und jeder Mensch spürt bisweilen den Sinn seines persönlichen Daseins, und doch sind viele von euch voller Enttäuschung, da das innere Ziel nicht bewußt bekannt ist oder nicht klar verstanden wird.
Als Kind wußtet ihr, daß ihr zu Erwachsenen heranwachsen würdet. Ihr habt euch auf den Glauben an projizierte Fähigkeiten gestützt und nahmt für selbstverständlich an, daß ihr in einem Prozeß des Lernens und Wachsens begriffen wart. Egal was euch passierte, ihr lebtet in einer Art gereinigter psychischer Luft, in der euer Wesen aufgeladen wurde und zu glühen begann. Ihr wart euch bewußt, in einem Zustand des Werdens zu sein. In gleicher Wiese befindet sich auch die Welt in einem Zustand des Werdens.
Sowohl in eurem privaten Leben als auch auf der Weltbühne spielt sich fortwährend etwas ab. Es ist leicht, euch selbst oder die Welt anzuschauen und dabei vom gegenwärtigen Zustand derart hypnotisiert zu sein, daß jedes weitere Wachstum oder jede Veränderung unmöglich ist.
Normalerweise können wir uns nicht an unsere Geburt erinnern. Noch sicherer scheint, daß ihr euch nicht an die Geburt der Welt erinnern könnt. Schon vor eurer Geburt hattet ihr jedoch eure Geschichte, auch wenn es euch scheint, daß die Welt ihre Geschichte hatte, bevor ihr geboren wurdet.
Die Wissenschaften hüten immer noch Geheimnisse voreinander. Die Physik tut so, als ob ein Jahrhundert nach dem anderen ablaufen würde, während die Physiker begreifen, daß die Zeit nicht nur für den Wahrnehmenden relativ ist, sondern daß alle Ereignisse gleichzeitg ablaufen. Die Archäologen fahren fröhlich fort, die Überbleibsel “vergangener” Zivilisationen zu datieren, ohne sich je zu fragen, was Vergangenheit bedeutet, noch zu sagen “dies ist Vergangenheit VOM STANDPUNKT MEINER WAHRNEHMUNG AUS.”
Astronomen sprechen vom äußeren Weltraum und von Galaxien, die unsere Galaxie zwergenhaft erscheinen lassen. In der Welt, die ihr erkennt, gibt es Kriege, Reden und Androhungen von Kriegen. Prognosen der Zerstörung. Doch all dem zum Trotz fühlen der einzelne Mann, die einzelne Frau - unbekannt und anonym in der großen Welt - in sich eine wachsende Bestätigung, die sagt: “Ich bin wichtig ! Mein Leben hat einen Sinn, selbst wenn ich ihn nicht kenne. Mein scheinbar so nichtiges und wirkungsloses Leben ist trotzdem von erstrangiger Bedeutung in einer Weise, die ich nicht verstehe”.
Trotz der Verstrickung in ein Leben s c h e i n b a r e r Frustrationen, der Sorgen im Hinblick auf Familienprobleme und Krankheiten und scheinbar besiegt in allen praktischen Belangen erhebt sich etwas in jedem einzelnen und wehrt sich gegen all das Unheil und all die Entmutigung dieses Lebens, erhebt sich etwas wie ein Funke einer höheren Gültigkeit. An diesen wissenden Teil eines jeden Individuums wende ich mich”