CURRENT MOON
Der Tanz der Sufis - die tanzenden Derwische

Ich war einige Tage in Florenz zu einer Kalachakraeinweihung – initiiert von Sakya Tritzin (http://www.kalachakra2007.it/sakyatrizin.html)

In einer kalachakra Einweihung geht um den Frieden –
Der Weg von den negativen Emotionen zu den Freudvollen – durch befriedung des Verstandes und seinen negativen Denkmustern...
von hass, gier, neid, ärger,
zu Weisheit, Glückseligkeit und tiefem (mentalen) frieden

Im Rahmen dieser Kalachakrafeier fand auch ein „Tag des Friedens“ statt – mit verschiedenen Veranstaltungen. Eingeladen waren Schriftsteller, Politiker, und Vertreter verschiedenster Religionen.

Leider war der Tag vor allem in Italienisch – ich habe akustisch nicht viel mitbekommen – aber es war eine wundervolle Schulung für mein Inneres Selbst in der Wahrnehmung von Energien und meinen eigenen Reaktionen auf Worte, Lautstärke – oder Musik und Tänze... und vielleicht gerade dadurch sehr intensiv.

Einige dinge haben mich sehr beeindruckt....

z.B.

Ein Redner, den ich – da in italienisch – nicht verstand .. doch mein inneres zog sich zurück und ich hatte den Eindruck, es war keine Friedensrede sondern eine Anti-Kriegsrede...
direkt nach ihm stand Trizin Rinpoche auf und hielt eine Rede – und binnen Sekunden beruhigte sich der Raum.
Die Energie, die den Raum füllte, war Demut, Frieden, Liebe, Akzeptanz – sie schwebte und umhüllte fühlbar wärmend den Raum


Doch eines der tiefsten Eindrücke war ein Tanz der Sufis – die tanzenden Derwische...
Ich hatte sie zuvor noch nicht gesehen, kannte nur das Symbol des Sufiherzens - also das Herz, das Flügel an der Seite hat.. ...
und dann kam etwas so mystisches ...


Es war eine Art großes Theater oder Konzertsaal – links und rechts Stühle – doch die Mitte im Publikumsraum war freigeräumt.

Der Raum war abgedunkelt.

Eine einzelne, hochgewachsene Gestalt mit langem Hut kam herein. Ein bodenlanges blaues Gewand umhüllte ihn. Er trug etwas in der Hand – und an seiner ganzen Haltung, am Schritt, der Angemessenheit, dem Rhythmus spürte man – er trägt etwas ganz heiliges.
Nachdem er den Raum durchschritten hatte, begrüßte ihn einer der Veranstalter, ein Sänger von religiösen (indischen) Liedern. Sie verneigten sich voreinander – und der Mann legte das „heilige“ auf den Boden – und stellte sich an die Seite des Gastgebers.
Und ich sah, dass es ein Lammfell war.

Dann setzte sanfte Musik ein.
27 oder 30 leute kamen in einem sanften aber festen rhythmischen schritt herein.
Große Statuen, lange Hüte, die Arme über der Brust verschränkt.
ihre bodenlangen blauen Gewänder wippten mit den schritten – eins – eins – eins... und so gab es ein lautloses rhythmisches Schwingen...

Sie umrundeten einmal schweigend den saal - langsam, sanft, achtsam
begleitet von leisen trommeltönen und einer flöte.
Um dann ganz still in einer reihe zu stehen

Dann begann die musik.
Der Gruppenengel begann schon, sich auszubreiten , ein rieisiges lichtes Wesen reckte die Arme nach oben und öffnete sich gen himmel.

Dann – langsam – öffneten auch die Tänzer ihre verschränkten Arme und legten die blauen Umhänge zu Boden. Alles in weiß..
Und mit eben diesem rhytmischen schritt gingen sie reih um reih und verneigten sich zuerst vor dem Gastgeber – und dann vor dem tänzer hinter sich ...

Um sich in einer sanften Bewegung – mit den Armen vom Herz her aufwärts zum Tanz zu öffnen...
Weiße Blüten entfalteten sich ...

Und begannen, sich schwingend zu drehen.

Ihre Röcke hoben sich

Und es tanzten weiße Blüten im raum.

Mit dem tanz setzte eine Energie ein, süß, liebend, zart.
Warm, weich, in einer solchen Sehnsucht und Hingabe liebend.

Die Musik schwieg – sofort hörte das drehen auf. Die arme verschränkten sich, die Röcke sanken nach unten – die Blüten schlossen sich.
In leisen schritten gingen sie zum Nachbarn – formten 3-er Gruppen...
Hielten schweigend und aufrecht inne.
Um beim nächsten klang, dem Einsetzen der Musik, sich wieder in dieser wundervollen Armbewegung als Blüte zu entfalten und sich ganz dem grösseren hinzugeben.

Ich bin noch immer ganz erfüllt von dieser liebe, die in den Raum schwebte... das lautlose Schwingen – die Blüten, die tanzten...
Ich saß da, und begriff, dass ein Gebet an Gott, eine Meditation zur Seele - auch ein solcher Tanz sein kann.

Sich ganz der Liebe und der Sehnsucht nach etwas größerem zu ergeben,
hinzugeben.
dem Moment
der Musik
Dem Öffnen der eigenen blüte.
 

Dem eigenen Tanz
 

                        Octavia / Anfang Juli 2007

 

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